In Krieg und Liebe

 

Idee von: gelfling21

Autor: gelfling21

Koordiniert von: CN Winters and Susan Carr

Produziert von: CN Winters and Susan Carr

Ton: Steff

Überarbeitet von: Kate

Übersetzung: Kurna

Bilder: Chris Cook

Künstler: Chris Cook, David Zahir, Cynthia Taz, CN Winters

 

 

TEASER

Ext.

Fast völlig einsame Interstate 80

Nevada

 

Nevada Desert, Januar 2000

Der Trucker nahm eine Hand vom Lenkrad und rieb sich die Augen. In der Wüste von Nevada war es an einigen Stellen schwarz wie Tinte. Und trotz seines Fernlichts wirkte es, als ob ihre Ausmaße die Helligkeit einfach aufsaugen würden. Er konnte kaum die Straße vor sich sehen und die Seiten gar nicht. Eine immense Wolkenschicht verbarg den Mond und die Sterne.

Das einzige Zeichen, dass er sich überhaupt noch auf der Straße befand, waren der kleine Kamm zu beiden Seiten und die Rücklichter des Fahrzeugs vor ihm. Er war froh, somit wenigstens ein wenig Gesellschaft zu haben, auch wenn der andere Wagen weit voraus war.

Der andere Fahrer schien sehr in Eile zu sein und vergrößerte den Abstand immer mehr bis schließlich die Lichter in der Ferne verschwanden, verschluckt von der Dunkelheit.

Das plötzliche Rauschen im Funkgerät ließ ihn zusammenzucken. Er rollte die Augen, als er die Stimme des Abfertigungsleiters nach ihm rufen hörte.

„Rob? Der Kunde möchte einen Statusbericht. Wie ist deine Position?"

Anstatt zu antworten schaltete er seinen CD-Player an und erhöhte die Lautstärke um das Funkgerät zu übertönen. Dann schaltete er hoch und gab mehr Gas.

„Promise me son not to do the things I’ve done
Walk away from trouble if you can
It won’t mean you’re weak if you turn the other cheek
I hope you’re old enough to understand
Son, you don’t have to fight to be a man."

(Versprich mir Sohn, nicht die Dinge zu tun, die ich tat

Lauf weg vor dem Ärger, wenn du kannst

Es heißt nicht, dass du schwach bist, wenn du die andere Wange hinhälst

Ich hoffe, du bist alt genug um zu verstehen

Sohn, du musst nicht kämpfen um ein Mann zu sein.)

Er sang das Lied laut mit, bis er plötzlich unterbrach um zu gähnen. Der schwere Truck rollte dahin, dabei stetig schneller werdend.

Ext.

Fast völlig einsame Interstate 80

Nevada

Voraus in der Ferne stand ein Lieferwagen ohne Aufschrift am Straßenrand. Ein Mann in Militäruniform lehnte gegen die Beifahrertür. Auf seiner Brusttasche war der Name Sgt. Donnelly aufgestickt.

„Was zur Hölle machst Du da draußen? Der Colonel will seinen Gefangenen um Punkt 8:00 Uhr im Lager haben und wir sind schon eine Stunde hinterm Plan. Beweg deinen Hintern, Soldat," rief Donnelly in die Dunkelheit.

Er zitterte leicht als die kühle Nachtluft durch seine Kleidung drang. „Na los, na los," flüsterte er leise vor sich hin. Er nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette und atmete dann langsam aus. Er schaute zu allen Seiten, sah aber nichts. Er trat nach einem Stein, konnte aber nicht erkennen, wohin er flog. Er sah in der Dunkelheit ja kaum seine Fußspitze.

Er zog erneut an seiner Zigarette und beobachtete, wie die Spitze plötzlich aufglühte - ein einzelner Lichtpunkt in dieser Wüste.

Donnelly schüttelte den Kopf als ob ihm die Augen etwas vorgaukelten. Während er stand und auf seine Zigarette starrte, teilte sich die leuchtende Spitze in zwei - dann drei - Lichtpunkte auf. Zwei der Lichter wurden immer größer und hielten dabei auf ihn zu.

„Was zur...!" Er ließ seine Zigarette zu Boden fallen als er merkte, dass das andere Fahrzeug direkt auf ihn zuhielt. Er rannte zur Fahrerseite des Lieferwagens und zog dabei die Schlüssel aus seiner Hosentasche. Er fühlte sie durch die Finger rutschen und hörte, wie sie auf dem Boden auftrafen. Das herankommende Fahrzeug hielt weiter direkt auf ihn zu, obwohl es dabei auf der falschen Straßenseite fuhr.

„Verdammt!" Donnelly ging auf die Knie runter und tastete nach den Schlüsseln. Seine Fingerspitzen spürten Metall und so hastig grabschte er nach den Schlüsseln, dass sich Sandkörner unter seine Fingernägel gruben. Er riss die Fahrertür auf und sprang ins Auto. „Komm schon, komm schon..."

Zwei Scheinwerfer näherten sich, weiterhin genau auf ihn gerichtet. Er konnte das Motorengeräusch des anderen Wagens hören - zuerst leise, aber dann immer lauter. Zu laut. Donnelly machte das Einzige, das ihm einfiel um den anderen Fahrer über seine Anwesenheit zu warnen. Er drückte mit der linken Hand wild auf die Hupe, während er weiter mit den Schlüsseln herumfummelte.

Draußen in den Sanddünen beendete Private Mattick gerade seinen Besuch bei Mutter Natur.

„Ich komm ja, ich komm ja," grummelte er, als er die Hupe hörte. „Mit dem Kerl dabei kann man nicht Mal in Ruhe pinkeln gehen," schimpfte er vor sich hin.

Donnelly bekam den Schlüssel endlich ins Zündschloss und der Wagen sprang auch gleich an. Er trat das Gaspedal durch und riss das Lenkrad hart nach rechts, während ihn das herankommende Scheinwerferlicht blendete. Der Lieferwagen schlingerte, aber es war schon zu spät.

„Oh Gott," sagte Donnelly leise. Es war sein letztes Gebet bevor er spürte, wie scharfe Metallteile seine Rippen durchbohrten.

Private Mattick hörte ein Geräusch, als ob eine Coladose zerquetscht würde und das unmissverständliche Kreischen von sich verbiegendem Metall. Er knüpfte hastig seine Hose zu und rannte zurück über die Düne, die er als Sichtschutz gewählt hatte. Im Scheinwerferlicht eines anderen Fahrzeugs sah er, dass die Front des Vans völlig zerquetscht war. Sgt. Donnelly hing schlaff über das Lenkrad gelehnt. Mattick eilte zur geöffneten Fahrertür, neben der zwei große Männer standen.

„Oh mein Gott!" sagte Mattick. „Was ist passiert?"

„Es ist alles in Ordnung," entgegnete ihm einer der Fremden ruhig.

Mattick ging schnell zu Donnelly. Er war in Blut getränkt, seine Rippen zerborsten. Mattick lehnte ihn mit zitternden Händen zurück. Auch an Donnellys Stirn war Blut. Und ein kleines Loch. Ein Einschussloch. Bevor Mattick reagieren konnte, ertönten zwei gedämpfte Schüsse und er fiel leblos über Donnelly.

Die beiden Fremden begaben sich zur Rückseite ihres eigenen Vans. Augenblicke später ertönte ein Motor und ein Motorrad mit Beiwagen kam heraus und fuhr eine Rampe herunter. Sie fuhren zur Rückseite des Lieferwagens der Militärpolizisten und brochen das Schloss auf. Sie leuchteten mit einer starken Taschenlampe hinein und verkündeten einfach, „Ihre Anwesenheit ist gefordert."

Sie halfen dem erschüttert wirkenden Gefangenen, der auch keinen Widerstand leistete, in den Beiwagen. Dann schoben die zwei Männer die beide Lieferwagen in die Mitte der Straße. Kurze Zeit später brausten sie davon.

Int.

Fahrerkabine – Augenblicke später

Nevada

Da er Zeit aufholen wollte, donnerte der Trucker mit seinem Tanklaster über den Highway. Er kam um eine scharfe Kurve und sah plötzlich zwei große Lieferwagen direkt in seinem Weg. Er trat scharf auf die Bremse und versuchte gleichzeitig runterzuschalten. Er fiel hart gegen die Tür als der Laster seitwärts rutschte und überall Sand aufspritzte. Der Klang von Gitarren begleitete das Quitschen der Schaltung und das stählerne Kreischen der Bremsen.

Der Fahrer hatte keine Zeit mehr zum Schreien.

Es gab nur noch den Knall der Explosion und den Feuerball, der die Wüste erleuchtete. Die Geräusche und die Hitzewelle reichten bis zu den drei Männern auf dem Motorrad. Nur der Mann im Beiwagen wandte den Kopf in Richtung des Lärmes.

Ext.

Interstate 80 – Morgen

Nevada

 

Eine Gruppe Soldaten in Tarnuniform begutachtete die Überreste des Unfalls und sammelte alle Beweisstücke ein, während ein hochrangiger Offizier sie beaufsichtigte. Ein Soldat trat heran und salutierte.

„Agent Davis," sagte der General ohne auf den Gruß zu achten. Er beobachtete weiter das Untersuchungsteam.

„Donnelly und Private Mattick sind tot, General. Sie sind stark verbrannt. Der Fahrer des anderen Vans ist nicht zu finden. Und der Trucker ist völlig verkohlt, Sir."

„Was ist mit dem Gefangenen?" fragte der General. Er schaute weiterhin regunglos der Untersuchung zu.

„Nicht aufzufinden, Sir," teilte der Soldat mit.

„Wem gehörte der andere Van?"

„Wir wissen es nicht, Sir. Wir können keine ID für den Wagen finden. Keine Nummernschilder, keine Motornummer, nichts."

Der General grunzte und schwieg.

Der Soldat zögerte, dann fragte er, „Wir vermuten eine Schweinerei, Sir, richtig?"

„Wir vermuten alles, Agent Davis."

„General, ... wegen der lokalen Feuerwehr und Polizei..."

„Die wissen nichts - und dabei sollte es bleiben. Wir haben ihnen gesagt, dass der Unfallort verseucht ist. Sie werden wegbleiben." Der General wandte sich direkt zu dem jungen Soldaten um. „Ihre Aufgabe liegt jetzt direkt vor Ihnen, Agent," sagte er geradeheraus. „Ich will Ethan Rayne zurück!"

„Wir werden ihn fassen, Sir. Das garantiere ich."

Der General schaute wieder zur Unfallstelle. „Weitermachen."

Der Sergeant nickte kurz, salutierte und ging zurück zu seinem Team. Der General starrte schweigend in die dunkle Wüste.

 

Erster Akt

 

Ext.

Rat der Wächter Hauptquartier

Cleveland

Gegenwart

„Ich kann es nicht glauben - das ist so cool!" Dawn Summers strahlte als sie und Giles vor dem Hauptquartier des neuen Rates vorfuhren.

„Oh?" erwiderte Giles fragend während er den Wagen einparkte. „Ich hätte gedacht, dass Cleveland eher einen Anti-Klimax darstellt nach Sunnydale, dem Höllenschlund, Glory, Buffys Auferstehung, Willows Versuch, die Welt zu zerstören und diesem kleinen Kampf mit dem Urbösen," bemerkte er lächelnd.

„Nicht zu vergessen Andrews Kochkünste," warf Dawn ein.

„... aber natürlich, wie dumm von mir," schloss Giles trocken.

Dawn grinste ihn an. „Giles! Es ist aufregend - neue Jägerinnen, neue Wächter, ein neuer Rat..."

Sie blickte ihn an. Er nickte selbstzufrieden.

„Neues Auto..." fügte sie grinsend hinzu.

„Ah. Ja," Giles strahlte. „Es war eine recht gute Wahl, denke ich. Möchtest Du mit mir eine Runde drehen?"

„Sicher, aber später. Ich möchte wirklich Willow sehen."

„Selbstverständlich. Ich weiß, dass sie sich ebenfalls sehr freut Dich zu sehen."

Giles stieg aus und öffnete den Kofferraum. Dawn ging zu ihm hin während er ihre Koffer heraushob.

„Giles ..."

„Ja, Dawn ..."

„Ich ..." sie schaute ihn an, ihr Mund noch immer geöffnet. Er wartete gespannt, aber sie lächelte ihn nur unsicher an. „Ich glaube, ich werde eine tolle Zeit haben ..." sie nickte linkisch, „... hier ..." ihr Kopf nickte weiter, „mit euch allen."

Giles schaute sie fragend an. Sie zuckte mit den Schultern und nahm einen ihrer Koffer hoch.

„Erlaube mir," sagte er und nahm ihren Koffer. Gemeinsam gingen sie zum Eingang des Ratsgebäudes.

Int.

Willows Vereinigungszimmer – Zur gleichen Zeit

Fünf Schüler gafften, als eine riesige Flamme auf Willow Rosenbergs Spruchbuch aufloderte. Sie ließ schnell ein anderes schweres Buch darauf fallen und erstickte damit die Flamme.

„Wäre es nicht einfacher gewesen zu sagen „Feuer aus" oder sowas?" fragte eine der Schülerinnen neugierig.

„Es ist immer leichter, Magie zu benutzen - besonders um Magie zu bekämpfen," erklärte Willow dem Mädchen, „aber nicht unbedingt besser."

„Was immer halt den Job macht," warf Kennedy ein, die soeben den Raum betrat.

Willow schaute zu ihr und lächelte. „Genau das habe ich früher auch gedacht," erwiderte sie. „Aber darüber reden wir morgen weiter."

Willow schaute den jungen Sechzehnjährigen mit an, dessen Zauberversuch das kleine Feuer ausgelöst hatte. Er hatte dunkle Haare und eine dazu passende Laune.

„Tschuldigung," sagte er verlegen.

„Ist schon okay, Jeffrey," seufzte Willow und blickte zu dem rauchenden Buch auf ihrem Schreibtisch. „Aber für die Zukunft merk dir bitte, dass das wahrscheinlich etwas zu viel Energie war für einen „Zünde die Kerze ohne Streichholz an"-Spruch. Wenn der Test hingegen „Zünde ein Buch an" gewesen wäre, hättest du eine 1+ verdient," fügte sie hinzu.

„Klasse gemacht, H.P.," stichelte eine der anderen Schülerinnen unter Anspielung auf seine Ähnlichkeit mit Harry Potter. Die beiden anderen Mädchen in der Klasse kicherten während Willow das obere Buch beiseite nahm und darunter schaute. Beide Bücher waren leicht angekokelt aber nicht ernsthaft beschädigt.

„Du wirst das schon noch hinbekommen," tröstete Willow Jeffrey. „Nun, wir machen heute früher Schluss, da ..."

„Sie Angst haben, Jeffrey fackelt hier noch alles ab?" unterbrach Rick sie, das einzig andere männliche Mitglied der Gruppe.

Willow unterdrückte ein Lächeln. „Nein, ich bekomme Besuch von außerhalb," erklärte sie ihnen. „Und ihr habt ja alle Eure Aufgaben für morgen, ich sehe euch also dann zur nächsten Stunde."

Geschlossen verließ die Klasse den Raum und Willow hielt das noch leicht rauchende Buch. „Die Göttin sei Dank, dass die Sprinkleranlage nicht wieder angegangen ist," sagte sie zum Amusement von Kennedy, die gerade an ihrem Schreibtisch vorbeiging.

Ein Getümmel brach draußen im Gang los, dass von einer Reihe lauter Begrüßungsworte gefolgt wurde. „Es ist jemand hier um dich zu sehen." Willow schaute auf, als sie Giles Stimme hörte und sah, wie er mit Dawn den Raum betrat.

Dawn: „Willow!"

„Dawnie!"

Willow lief auf sie zu und stoppte dann. Sie realisierte, dass Dawn sich von einem ungelenken Teenager in eine sehr schöne junge Frau verwandelt hatte. Die beiden umarmten sich mit strahlenden Gesichtern. Giles beobachtete sie und war sich gar nicht seines eigenen Lächelns gewahr. Er nickte zu Kennedy, dass sie ihm folgte, damit Willow und Dawn eine Chance erhielten sich ungestört zu begrüßen.

„Dawnie, Dawnie, du siehst großartig aus! Ich bin so froh, dass du hier bist!"

„Ja, ich auch!" Dawn umarmte sie erneut.

„Ich habe dich vermisst."

„Ich dich auch," sagte Dawn. Sie hatte ihre Augen geschlossen und das Kinn auf Willows Schulter gelegt.

Willow löste sich und hielt Dawn auf Armeslänge. „Ich glaube, du bist noch größer geworden. Ich wünschte nur, dass auch Buffy gekommen wäre."


Dawn schien etwas zögerlich zuzustimmen.

„Uh oh," seufzte Willow. „Was ist nun wieder los?"

Dawn zauderte und schaute weg. „Nichts," anwortete Dawn nach einer kurzen Pause. „Aber - all diese gemeinsame Freizeit ist langsam etwas schwer zu - handhaben."

„Inwiefern?" hakte Willow nach. „Ich meine, ich dachte ihr zwei hättet euch gefreut auf diese „nicht bloß töte-den-Vampir-bekämpf-den-Dämon-rette-die-Welt-räum-dein-Zimmer-auf Zeit" miteinander ..."

„Die Schwester DER Jägerin zu sein, war hart," erwiderte Dawn. „Aber die Schwester der PENSIONIERTEN Jägerin zu sein ist- tja, noch härter."

„Aber ihr habt die Chance, Euer Band zu vertiefen, richtig?" fragte Willow hoffnungsfroh.

Dawn seufzte. „Klar, das schon. Aber der Punkt ist, ich brauche einen Erholungsurlaub von diesem ewigen „Wo gehst du hin? Mit wem gehst du aus? Was macht ihr? Wann bist du damit fertig? Und du willst das doch nicht dazu anziehen, oder?"-Gesülze."

Willow setzte zu sprechen an, dann stoppte sie wieder. „Nun ..." hob sie erneut an, „dies ist dein Thanksgiving Urlaub. Also lass es dir gut gehen und ruhe dich aus, kleine Schwester, wie Faith sagen würde."

„Faith. Für einen Moment hatte ich vergessen, dass sie auch hier ist."

„Ist sie genaugenommen gerade nicht," sagte Willow. „Sie und Robin sind momentan unterwegs. Wir hatten zwei neue Sichtungen von Jägerinnen, also sind sie los um sie zu rekrutieren. Und wir haben eine neue Wächterin, die aber auch gerade nicht da ist. Ihr Name ist Rowena Allister. Sie ist in Nova Scotia während der Feiertage - um ihre Familie zu besuchen. Ich war erst etwas neidisch, aber dann kam ja der Anruf von Buffy, ob du Thanksgiving hier verbringen könntest und ... tja, hier bist du ... Ich denke du wirst es hier mögen."

„Ich kann es kaum erwarten," sagte Dawn.

„Okay, dann lass uns mit deinem Raum beginnen."

Willow nahm ihre Bücher unter den Arm und legte den anderen um Dawn. Dawn machte es ebenso bei Willow und zusammen verließen sie den Klassenraum, die Tür hinter sich schließend.

Einige Sekunden später reagierte der Feuermelder plötzlich und aktivierte den Sprinkler, der auf den ganzen Raum Wasser herabregnen ließ.

Int.

Ein überladenes Büro – Gegenwart

London

„Ja, ja, es war gute Arbeit. Sehr gut gemacht wie ich gehört habe! Auf Ihre Gesundheit und auf die Organisation!"

Sir Cyril Rodham hob das Glas in Salut zu seinem Gast und kippte dann den Inhalt in einem Schluck hinunter. Beiläufig goss er sich einen neuen Drink ein.

Auf der anderen Seite des dunklen Raumes saß Ethan Rayne und nippte lediglich an seinem Scotch. Seine Augen wandten sich nur kurz von Rodhams ab und schauten zu einem Paar wohlgeformter Beine, die in einer Ecke des Raumes zu sehen waren. Ihre Besitzerin war für ihn in den Schatten nicht zu erkennen.

„Nun, lassen Sie mich erklären, wie Ihr nächster Auftrag für die Organisation aussehen wird," sagte Rodham schnell. „Ich denke, es wird Ihnen viel Vergnügen bereiten. Vielleicht nicht ganz so viel wie der Job in Österreich, aber mindestens so viel wie Peking, da bin ich sicher. Und ich habe eine sehr nette Überraschung für Sie," ergänzte Rodham fröhlich. „Sie werden einen Assistenten bei diesem Auftrag haben. Jemand sehr findig und einnehmend ..."

„Ich arbeite alleine," unterbrach ihn Ethan mit ruhiger Stimme. Aber sein Ton war so bestimmt, dass Rodhams Fröhlichkeit komplett verschwand.


„Ich versichere Ihnen," erklärte Rodham, „dass Sie mit einer jungen Dame von beachtlichem Talent zusammenarbeiten werden und ..."

„Und wenn es David Copperfield in einen heißen rosa Röckchen wäre - es interessiert mich nicht. Ich arbeite alleine."

„Sie scheinen mich nicht zu verstehen." Rodham lächelte unfreundlich. „Wir bieten Ihnen eine sehr gute Bezahlung für diesen Auftrag."

Rodham sah kurz den Zorn in den Augen des Zauberers aufblitzen.

„Ich bin nicht käuflich," konterte Ethan, zögerte dann aber kurz. „Genaugenommen, doch. Aber meine Methoden erlauben nicht die Zusammenarbeit mit irgendwelchen „Assistenten"."

„Dieses Mal werden Sie mit einem arbeiten," fuhr Rodham fort. „Oder muss ich Sie daran erinnern, dass wir Ihr erbärmliches Leben gerettet haben und es mit Leichtigkeit beenden könnten, so wie das der anderen in jener Wüste. Erinnern Sie sich, wer Sie aus den Händen der Initiative befreit hat, Ethan, und Sie genau so schnell wieder dort abliefern könnte."

Ethan schwieg einen Augenblick und durchdachte seine Optionen. Dann relaxte er und lachte plötzlich und laut.

„Fein, ich werde es machen. Aber ich bin nicht für ihr Überleben verantwortlich."

Sir Cyril beobachtete, wie Ethan sein Glas abstellte und einen Blick auf die in Schatten gehüllte Frau in der Ecke warf. Dann schaute Ethan wieder ihn an - ruhig und ohne Furcht.

„Sie sind ein interessanter Geschäftspartner, Cyril. Erzählen Sie mir mehr über den Auftrag und meine ... „Helferin"."

„Kommen Sie näher, meine Teure," sagte Rodham mit einem freudlosen Siegeslächeln.

Eine geschmeidige junge Frau mit einem hübschen Gesicht und lohfarbenem Haar stand auf und trat aus dem Schatten heraus. Sie kam an Rodhams Seite und er nahm ihre Hand.

„Ethan Rayne, darf ich Ihnen Ms. Amy Madison vorstellen."

Int.

Boeing 747

Heathrow Airport, London

Früher Morgen

„Willkommen zu Flug 923 der Patriot Airlines nach Cleveland, Ohio mit Anschluss nach Washington, D.C. Wir möchten Sie bitte, sich auf unsere Flugbegleiter zu konzentrieren, die Sie nun mit den Sicherheitsmaßnahmen vertraut machen ..."

„Erlauben Sie mir," sagte Ethan seidenweich.


Er hob Amys Tasche in das Gepäckfach, wobei er offensichtlich etwas mit dem Gewicht kämpfen musste.

„Was haben Sie da drin, alle 17 verschiedenen Ausgaben von „Anna Karenina" und einen Sessel um beim Lesen gemütlich zu sitzen?"

Amy zeigte Ethan ein gekünsteltes Lächeln und lachte affektiert.

„Nein," erklärte sie ihm, „nur einige Dinge fürs Zaubern." Sie griff in die Tasche vor sich und zog das Flugbegleit-Magazin heraus, um dann ein wenig darin zu blättern.

Ethan grinste sie an. Dann schob er ihre Tasche das restliche Stück in das Gepäckfach hinein. Dabei öffnete sich der Reißverschluss und ein Gegenstand fiel heraus und landete genau zwischen seinen Füßen.

Er bückte sich und hob ihn auf. Es war ein seltsames Objekt - aus Metall, rund und komplett offen; im Prinzip einfach ein Metallrahmen in der Gestalt eines Rades von etwa 20 Zentimeter Durchmesser.

„Was ist das?" fragte er neugierig. „Eine neue Art von Zauberspruchverstärker?"

„Her damit!" schnappte Amy.

„Oder etwa etwas - ungehöriges ...?"

„Bitte," sagte sie wieder etwas ruhiger.

„Aber was auf Erden ist - oh!" Ethans Gesichtsausdruck wechselte von verwirrt über überrascht bis zu deutlich amüsiert. „Ich weiß, was das ist," sagte er, wobei sich seine Mundwinkel zu einem Lächeln hochzogen. „Aber was machen Sie damit? Beschwören Sie damit den Gott der dämonischen Hamster zu Ihrer Hilfe wenn Sie mal von wildem Kopfsalad angegriffen werden?"

„Geben Sie es mir einfach!" zischte Amy durch ihre zusammengepressten Zähne und griff nach dem Rad.

„Oh, bitte, sagen Sie mir jetzt nicht, dass Sie mit einer Ratte reisen!" sagte Ethan.

Amy schaute ihn nur wortlos an.

Plötzlich lachte Ethan, als er merkte, dass er gerade ein Eigentor geschossen hatte. Während er abgelenkt war schnappte Amy das Laufrad aus seiner Hand und ließ es in ihrer Umhängetasche verschwinden.

„Es ist persönlich. Fragen Sie mich nie danach," warnte sie ihn. Dann, etwas ruhiger, „Sie würden es nicht verstehen."

„Und möchte es auch gar nicht," erwiderte Ethan.

„Sir, bitte begeben Sie sich jetzt auf Ihren Platz," bat ihn eine Stewardess, die hinter ihm stand.

Er setzte sich und legte den Sicherheitsgurt an. „Lächerliche Art zu reisen," murmelte er. „Könnten schon da sein, wenn wir teleportiert wären ..."

„Cyril wollte, dass wir uns kennen lernen," sagte Amy. „Er dachte, der Flug wäre eine gute Gelegenheit dazu."


„Meine liebe Miss Madigan ..."

„Madison."

„... wir kennen uns bereits. Wir haben uns in Cyrils Büro getroffen, ich bin über Ihre Rolle bei meiner Arbeit informiert ..."

Unserer Arbeit ..."

„... und über Ihr Anfängerpotential. Nun, wenn es Sie nicht stört, ich bin ein wenig müde und würde die „Gelegenheit" gerne nutzen um zu schlafen."


„Es stört mich," sagte sie. „Und auch Cyril würde es nicht passen. Wir sollten über den Job reden."

„Wieso? Wissen Sie nicht, worum es geht?"

„Ich ... natürlich weiß ich das."

„Dann brauchen wir auch nicht weiter zu diskutieren."

„Wir haben noch gar nicht diskutiert!"

„Exakt."

„Schauen Sie, Cyril möchte ..." sagte sie.

„Ich bin mir durchaus bewusst, was Cyril möchte, meine Liebe. Ich bin mir auch bewusst, wie ich vorgehen muss. Darum schlage ich vor, Sie machen, was Ihnen aufgetragen wird und wir sind bald damit - und miteinander - fertig."

„Darf ich Ihnen eine Frage stellen?" fragte Amy.

„Wenn es sein muss."

„Seid wann fühlen Sie sich schon durch Frauen bedroht?"

„Meine Liebe, ich fühle mich nicht bedroht durch Frauen; oder höchstens von Frauen, die sich in der Gesellschaft von Männern bedroht fühlen."

„Keine Sorge, was das angeht," gab Amy zurück.

Ethan schaute sie von der Seite an. „Ich muss nichts beweisen," sagte er selbstgefällig. „Weder als Mann noch als Magier."

„Vielleicht sieht Cyril das ja anders."

Ethan wandte seinen Kopf und schaute sie versteinert an. „Vielleicht. Aber dann fällt mir auf, dass er meine Bezahlung erhöht hat, damit ich Sie mitnehme. Was mag das wohl bedeuten?"

„Es bedeutet, dass Sie besser mit mir zusammen arbeiten, damit ich nichts Schlechtes über Sie berichten muss, wenn wir zurück sind. Selbst Sie möchten Cyril und die Organisation bestimmt nicht enttäuschen," sagte sie.

„Oh je, oh je. Was möchten Sie denn über den Auftrag wissen?"

„Dragonspear Associates - das ist eine Vermögensverwaltung, richtig?"

„Richtig."

„Sie möchten ein Vergnügungscenter in Cleveland aufmachen, richtig?" fragte sie.

„Ja. Die öffentliche Meinung ist jedoch gegen sie. Zu viele Malls, Verkehrsprobleme, kleinere Geschäfte müssten schließen, Familien müssten umziehen, Mieten würden steigen und Umweltprobleme - dies alles treibt den Stadtrat und die Verwaltung dazu, den Komplex abzulehnen. Dadurch würde Dragonspear daran gehindert, ein festes Standbein in Cleveland zu erlangen."

„Also sollen wir den Stadtrat beeinflussen ..."

„Meine Liebe, wir sollen ihn nicht beeinflussen. Wir sollen ihm unseren Willen aufzwingen. Wenn wir ankommen, werden Sie mir dabei helfen einen Spruch zu sprechen, der den Stadtrat und die Verwaltung dazu zwingt, sämtliche Anträge von Dragonspear Associates durchzudrücken - und nicht nur diesen Komplex. Dragonspear hat noch viele andere kleinere Projekte in der Umgebung von Cleveland. Wenn der Spruch funktioniert - und das wird er - dann gibt es wahrscheinlich Anlass, ihn in vielen anderen Städten zu wiederholen - New York, Los Angeles, Washington, London, Tokyo, Hong Kong - um nur einige zu nennen. Aber jetzt geht es zunächst eimal um Cleveland."

„Wie wollen Sie einen Spruch von so großer Reichweite sprechen?" fragte sie.


„Lassen Sie das meine Sorge sein. Sie müssen nur tun, was ich Ihnen sage und keiner wird Cyril Rodham hinterher etwas Schlechtes melden müssen."

Amy wandte sich ab und schaute nach vorne. Sie saß einen Moment still und schmollte.

Ethan schloss derweil seine Augen und entspannte sich.

„Mr. Rayne," setzte Amy leise an.

Ethan öffnete die Augen. „Oh, bugger, nennen Sie mich Ethan."

„Ethan. Bitte nennen Sie mich Amy."

Ethan rollte mit den Augen, aber Amy zeigte keinerlei Emotion in ihrem Gesicht oder ihrer Stimme.

„Ethan - vielen Dank. Ich ... freue mich über die Gelegenheit mit jemand Ihres Kalibers zu arbeiten ..."

„Meine liebe - Amy. Lernen Sie von Ihren Vorgesetzten. Eifern Sie ihnen nach. Diskreditieren Sie sie wenn nötig, und nutzen Sie sie aus wann immer möglich. Aber niemals - niemals - danken Sie ihnen. Denn das ist ein Zeichen von Schwäche. Und Schwäche wird Sie umbringen."

Ethan drehte sich in seinem Sitz bis er der Hexe seinen Rücken zuwandte. Dann schloss er die Augen und versuchte zu schlafen.

Amy stieß einen verärgerten Seufzer aus. Sie tappte mit ihrem Fuß und blätterte erneut ungeduldig durch das Flugmagazin.

Plötzlich setzte sie sich auf und holte das Laufrad aus ihrer Umhängetasche. Sie steckte beide Zeigefinger von entgegengesetzten Seiten hinein und begann sie übereinanderzurollen, wodurch sich auch das Rad auf der Stelle drehte. Sie starrte wie fixiert auf die Speichen, die schneller und schneller vor ihren Augen rollten. Nach einiger Zeit verlangsamte sich ihr Atmen und ihre Schultern entspannten sich.

Int.

Willows Vereinigungszimmer – Später am gleichen Tag

Giles’ Schuhe waren direkt vor Willows Nase als sie die Leiter festhielt.

„Kannst du etwas sehen?" fragte sie.

„Ich sehe viele Dinge," hörte sie seine Stimme von irgendwo innerhalb der Deckenverkleidung tönen. „Unglücklicherweise habe ich nicht die geringste Ahnung, worum es sich handelt."

Willow schaute hoch zu den Beinen des Wächters, seinen einzigen Körperteilen, die nicht in der Decke steckten.

„Nun, irgendwo muss etwas sein, das wie ein Wasserrohr aussieht ..." merkte sie an. „Dieses Wasser kann ja nicht aus dem Nichts auftauchen," murmelte sie während sie einen Fuß aus der Pfütze hob, in der sie stand. „Vielleicht sollten wir einen Installateur rufen," schlug sie vor und klang dabei, als hätte sie es schon öfter gesagt.

„Unsinn. Wir haben Dämonen besiegt, Vampire, eine Göttin und das Urböse," erwiderte Giles indigniert von innerhalb der Decke. „Wir können doch wohl ein Leck reparieren, ohne Verstärkung rufen zu müssen."

Einem plötzlichen metallischen Geräusch folgte ein schmerzhaftes „Au!", woraufhin Willow besorgt hochschaute. „Alles ok?"

„Ja, ja, fein. Ich glaube, ich habe das Problem gefunden."

„Gaia sei gepriesen," sagte Willow und rollte die Augen.

Nach einigen Momenten hörte sie Giles zu ihr runterrufen. „So. Ich denke, ich habe es repariert. Ja. Ja, das müsste es sein, ich bin sicher."

Willow trat zurück als Giles ein paar Stufen tiefer kletterte. Er befestigte das große Deckenpanel wieder und stieg komplett von der Leiter. Er seufzte zufrieden und wischte sich die Hände an einem schmutzigen Tuch ab.

Willow versuchte ein Schmunzeln zu unterdrücken, aber ein leises Kichern erklang dennoch, als sie ihn ansah.

„Ja, nun," er schaute sie vorwurfsvoll an. „Ich scheine diese Reaktion öfter hervorzurufen, wenn ich einen Akt männlicher ..."

„Das ist es nicht," sagte sie. „Dein Haar steht nach allen Seiten ab. Und dein Gesicht ist irgendwie - naja, fleckig. Ich meine, all diese Jahre kämpfen wir im dichtesten Gewühl mit Vampiren und Dämonen und nie ist auch nur ein Tweedfaden in deiner Kleidung lose. Und jetzt bist du fünf Minuten in der Decke um ein Rohr zu reparieren und siehst aus, als wärest du in einer Höllendimension gewesen. Und zwar mehrmals."

Giles unterdrückte ein Lächeln als er seine Brille abnahm und mit dem Tuch säuberte.

„Schau," erklärte er, „es ist doch nichts Schlechtes an ein wenig handwerklicher Arbeit hin und wieder. Es schadet nicht, wenn die Hände mal etwas schmutzig werden."

Er setzte die Brille wieder auf. Die Gläser waren mit dunkler Schmiere bedeckt. „Zur Hölle!"

„Na komm, Mr. Ehrliche Arbeit," sagte sie. „Ich habe ein einfaches Rezept für solche Flecken. Etwas Seife. Etwas Wasser ..." sie lächelte, „... und vielleicht etwas Scotch."

Giles sagte leise „ahh" und folgte Willow aus dem Klassenraum. Im Hinausgehen schloss er die Tür hinter sich. Wenige Sekunden später öffnete sich die Tür wieder und Giles steckte seinen Kopf herein. Befriedigt, dass alles in Ordnung war, schloss er sie erneut.

Einen kleinen Augenblick später startete der Sprinkler und Wasser regnete erneut auf den ganzen Klassenraum.

Ext.

City Park – Später am Nachmittag

Dawn atmete tief die kalte, klare Luft ein als sie und Giles gemütlich spazieren gingen.

Giles beobachtete sie aus den Augenwinkeln, als ob er wüsste, dass etwas mit der jungen Frau nicht stimmte.

Da sie seine Aufmerksamkeit spürte, begann Dawn zu sprechen.

„Danke, dass du zu diesem Spaziergang mitgekommen bist, Giles. Ich weiß, du bist damit beschäftigt, das Hauptquartier zu reparieren."

Giles nickte. „Ich bin nicht ganz sicher, ob reparieren das richtige Wort ist."

Dawn schien ihn nicht zu hören. „Und danke dafür, dass ich euch über die Feiertage besuchen darf."

„Du weißt, dass du immer willkommen bist, auch wenn ich mir Cleveland nicht als das ideale Urlaubsziel vorstelle, so mit Höllenschlund und allem."

„Hey," erwiderte Dawn mit einem Lächeln. „Ich bin an nem Höllenschlund aufgewachsen ... Teil meiner Herkunft sozusagen. Außerdem, Willow und du seid hier." Ihr Lächeln verschwand. „Ich vermisse euch und ..."

Dawn brach ab. Sie senkte den Kopf und wurde langsamer.

Giles beobachtete sie genau. Er schaute ihr ein paar Schritte lang zu. Schließlich blickte sie auf und schaute in seine grünen Augen.

„Dawn? Ist etwas? Gibt es Probleme mit Buffy? Ist sie okay?"

„Buffy? Ja, sie ist fein." Dawn zog eine Grimasse und stopfte die Hände in ihre Jackentaschen. „Meine verständnisvolle Schwester, die jeden versteht außer mir."

Giles wurde kurz langsamer, dann schritt er etwas schneller aus um an ihrer Seite zu bleiben. „Habt ihr zwei Streit?" fragte er mit einem mitfühlenden Lächeln. „Mehr als üblich, sollte ich vielleicht sagen?"

„Nicht direkt." Dawn seufzte schwer. „Sie weigert sich mit mir zu reden ... über die Person ... die ich liebe."

„Doch hoffentlich kein weiterer Vampir, oder?"

„Nein, Skye." Dawn zauderte. „Mei ..." sie suchte nach dem richtigen Wort; es gab nur eins. „... meine Freundin."

Es dauerte ein paar Schritte bis Dawn merkte, dass Giles nicht mehr an ihrer Seite war. Sie wandte sich um und sah ihn wild die Gläser seiner Brille reinigen. Sein Gesicht hatte nicht mehr die rosige Farbe, die die frische Luft hervorrief, sondern die deutliche Röte der Verlegenheit.

Er schaute sie an, einmal, dann noch einmal und sah den offenen und hoffnungsvollen Blick in ihrem Gesicht. „Oh," sagte er schließlich. „Ja. Nun. Ich verstehe."

„Giles? Giles, bist du gefreaked?"

„Was? Nein. Absolut nicht." Und wie als Beweis setzte er die Brille wieder auf. „Ich bin nur ziemlich überrascht."

„Überrascht, dass ich mit einer Frau zusammen bin?"

„Natürlich nicht!" Er ärgerte sich, dass er zu schnell geantwortet hatte. „Okay, natürlich schon etwas," gab er zu. Sein Kommentar schwang in der Luft. „Ich hatte einfach immer angenommen, dass du an Jungs interessiert wärst. Und da lag ich wohl falsch. Aber ich bin vor allem besorgt, dass Buffy nicht mit dir reden will über ... Skye, sagtest du?"

Dawn nickte.

„Ist es Skye persönlich, mit der Buffy ein Problem hat oder dass sie ... nun ja, eine junge Frau ist? Ich vermute, sie ist eine junge Frau? In deinem Alter?"

Dawn lächelte, als sie die Besorgnis in seiner Stimme hörte. „Sie ist ein Senior an meiner neuen Highschool und ja, es geht darum, dass Skye eine sie ist und kein er." Dawn wandte sich um und schaute auf eine Gruppe Bäume an ihrer Seite. „Alles ist plötzlich anders für mich. Ich verstehe das nicht, Giles. Sie akzeptiert doch auch Willow, warum redet sie nicht mit mir?"

„Hast du mit Willow gesprochen? Vielleicht könnte sie ..."

Dawn schüttelte den Kopf. „Noch nicht. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich mit Tara reden, aber - träumen bringt mich nicht weiter. Du verstehst?" Sie schaute ihn an. „Außerdem, Willow wird einfach Willow sein. Und es völlig akzeptieren. Es geht mir mehr um Buffy. Ich meine, ich komme ja damit klar. Und sie nicht."

„Nun, ich denke trotzdem, dass Willow dir helfen könnte. Ihr eigenes „Coming out" gegenüber Buffy war nicht gerade perfekt gelaufen." Er sah wie Dawn protestieren wollte. „Ja, Buffy hat es später komplett akzeptiert, aber anfangs war sie doch sehr geschockt ... sie brauchte einfach Zeit. Wie lang ist es her, dass du es ihr gesagt hast?"

„Ich hab’s ihr nicht direkt gesagt. Sie kam letztes Wochenende früher nach Hause und ..." Jetzt war es Dawn, die errötete.

Giles nahm seine Brille wieder ab und säuberte die Gläser erneut.

„Ich verstehe," seufzte er. „Also durchaus ein Schock für sie, meinst du nicht? Sie braucht wahrscheinlich nur etwas mehr Zeit. Möchtest du, dass ich mit ihr rede?"

„Ja. Ich weiß es nicht. Vielleicht ... Ich denke, dass sie auf dich hören wird, Giles. Und auch wenn sie es nicht zugeben würde, sie respektiert deine große Erfahrung in weltlichen Dingen."

„Ja, nun, ich bin nicht sicher, ob ich meine „weltliche" Erfahrung in das Gespräch mit Buffy einbringen sollte ..."

„Ich meinte nicht in sexuellen Dingen, Giles."

„Oh ..." Giles presste die Lippen zusammen und legte den Kopf zur Seite.

„Schau, ich kann nicht sagen, dass ich lesbisch bin," fuhr Dawn fort. „Aber ich möchte mich auch nicht beschränken. Willow hat das nie getan und als Buffy gestorben war - bitte versteh das nicht falsch, ihr alle wart für mich da - aber sie und Tara haben mir ein Zuhause gegeben. Und was Skye angeht, ich mag sie wirklich. Es könnte Liebe sein, aber ..." Dawn zögerte und schaute ihn an.

Sie lächelte hoffnungsvoll. „Vielleicht würde es helfen, wenn du mit Buffy sprichst. Ich erwarte nicht, dass du alles reparierst, Giles, aber du könntest sie so weit öffnen, dass ich zumindest mit ihr darüber reden kann."

Giles erwiderte ihr Lächeln mit einem eigenen. „Ich werde sehen, was ich tun kann."

„Danke, Giles." Sie machte einen Schritt, doch stoppte dann wieder. „Und nur um das klarzustellen, ich bin nicht nur zum Mosern gekommen. Ich wollte euch wirklich besuchen."

Giles grinste breit. „Ich werde mit ihr reden."

Dawn lächelte als er weiterging und sie beeilte sich um ihn einzuholen. Als sie ihn erreichte, nahm er ihren Arm und sie gingen Arm in Arm weiter. Ihr Atem kam in kleinen Dampfwolken heraus.

Int.

Im Hyatt Regency Hotel, Cleveland – Später Nachmittag

„Und das wäre ein Raum für zwei, Sir?"

„Raum für - ganz bestimmt nicht! Diese junge ... Frau ... sollte unter ihrem eigenen Namen angemeldet sein."

Der Hotelportier schaute zu dem Paar - der ältere Mann und die junge hübsche Frau. „Natürlich, Sir," sagte er. Er schaute im Computer nach und fand den Namen des Mannes: Raymond, Edward und fragte dann die Frau nach ihrem Namen.

Sie wollte gerade schon ihren richtigen Namen - Amy - sagen und wechselte dann schnell auf „Adele ..." Sie blinzelte kurz, innerlich in Panik, dann fiel es ihr wieder ein, „Maddington."

Ethan schaute missbilligend zu ihr herüber.

„Sie sind in angrenzenden Suiten mit einer gemeinsamen Verbindungstür - Räume 412 und 414. Ihre Räume sind bereit. Ich werde den Pagen rufen."

Sie gingen zu ihren jeweiligen Räumen ohne noch ein Wort miteinander zu wechseln und begannen auszupacken. Ethan holte die Kleidungsstücke aus seinem einen großen Koffer und hing sie sorgfältig auf. Dann glättete er sie mit schnellen Bewegungen seiner flachen Hand.

Amy hingegen stopfte ihre Sachen einfach in irgendwelche Schubladen und merkte nicht einmal, dass eine ihrer Blusen etwas heraushing. Sie begab sich ins Badezimmer und startete die Dusche, dann schaltete sie den Fernseher an und wählte einen Musikkanal. Mit nervösen Blicken zu allen Seiten verließ sie den Raum und eilte durch den Gang. Dabei hielt sie sich dicht an der Wand, bis sie den Fahrstuhl erreichte.

Ext.

Cleveland - Tag

Amy verließ das Hyatt Regency und betrat das Arcade Einkaufscenter. Dort war eine Masse von Menschen bei den Einkäufen für Thanksgiving Day. Sie mischte sich in die Menge und fand eine Telefonzelle nicht zu weit vom Regency.

„Hallo, Übersee Operator."

„Ja, Operator, ich möchte einen Anruf nach London tätigen, R-Gespräch, diese Nummer ..."

Int.

Hyatt Regency – Zur selben Zeit

Ethan klopfte an die Tür zwischen seinem und Amys Raum. „Ich sagte, würden Sie bitte das Radio leiser stellen!" Er lauschte noch sorgfältiger. Die Dusche lief. Er seufzte tief, entledigte sich seiner Kleidung und begann, sich ein Bad vorzubereiten.

Ext.

Einkaufscenter – Zur selben Zeit

„Ja, Cyril, ich bin in einer Telefonzelle. Ja, wir haben die falschen Namen benutzt. Also, was soll ich für Sie tun? Einen Erweckungszauber ... ja ... der Höllenschlund ist wo genau?" Amy holte Stift und Papier aus ihrer Tasche und machte sich eifrig Notizen. „Ich werde ihm nichts sagen. Er wird es überhaupt nicht mitbekommen. Nun, ein Mädchen möchte in einer großen Stadt doch auch mal Shoppen gehen, oder? Da wird er mich sicher nicht begleiten wollen. Dann werde ich es machen. Richtig. Auf Wiederhören."

Amys Augen blickten geschwind in alle Richtungen als sie den Hörer auflegte. Sie kehrte fast so schnell zu ihrem Raum im Hotel zurück, wie sie ihn verlassen hatte.

Int.

Hyatt Regency - Etwas später

Als Ethan aus seinem Bad kam, zeigte der Anrufbeantworter ein Gespräch an. Er hob den Hörer ab und wählte die Mailbox. Amys Stimme ertönte aus dem Hörer.

„Hallo Eth - ich meine ... Edward. Hier ist „Adele"."

„Ach nein," sagte Ethan in den Hörer.

„Ich dachte wir könnten gemeinsam zu Abend essen, da es unser erster Tag hier ist und wir morgen mit der Arbeit beginnen. Wir könnten unsere Pläne für morgen durchsprechen. Bitte melden Sie sich, sobald Sie diese Nachricht gehört haben."

„Oh Mann!" murmelte Ethan und klopfte kräftig an die Zwischentür.

Amy öffnete und schaute ihn überrascht an.

„Oh, Entschuldigung," grinste er und zog sein einziges Bekleidungsstück etwas höher - ein Handtuch, das locker um seine Hüften geschlungen war - „aber Sie sagten, ich sollte mich sofort melden. Ich wäre erfreut mit Ihnen zu dinieren - sobald ich mich angezogen habe."

Er bemerkte Amys wandernden Blicke.

Er lächelte dünn. „Oder wir bestellen etwas und Sie ziehen sich auch aus ..."

Ihre Augen schossen hoch und sie sah den spöttischen Ausdruck in seinem Gesicht. Sie warf ihm einen zornigen Blick zu und knallte die Tür zu.

Ethan lachte.

Int.

Willows Wohnzimmer – Abends

„Also, wo ist die kleine Schwester?" fragte Willows Buch.

„Hmmm?" Willow hob es an und schaute hinunter in Kennedys Augen. Die junge Jägerin hatte ihren Kopf in Willows Schoß gelegt, während diese las.

„Kleine Schwester?"

Kennedy schwang ihre Beine vom Sofa und setzte sich auf. „Du weißt schon - Summers, die Zweite."

„Oh - Dawn." Willow grinste. „Sie ist früh zu Bett gegangen. All die Aufregung, der Flug, die Tour durch die Schule - das Alles hat seine Spuren hinterlassen, denke ich."

„So ... Ich hab dich also ganz für mich."

„Das hast du doch immer."

„Dann lass uns was machen. Ich langweile mich."

„Oh. Okay. Soll ich dir von diesem Buch erzählen? Es ist wirklich faszinierend."

Der völlig desinteressierte Blick in Kennedys Augen sagte alles.

„Okay. Schlecht. Schlechtes Buch." Willow schlug auf den Umschlag und legte das Buch auf den Kaffeetisch. „Nun, was ist mit Schach? Ich bin nicht so gut wie Giles, aber ich kann ..."

„Ich kann nicht Schach spielen."

„Nun - ich - ich könnte es dir beibringen ... das wäre lustig. Und es wär schon, mal nicht dauernd geschlagen zu werden. Giles gewinnt immer."

„Ich hab mich nicht für Schach interessiert, als mein Vater mir es während der sechsten Klasse beibringen wollte. Und Überraschung! - es hat sich Nichts geändert. Wie wär es mit Dame?"

Willow zog grübelnd die Brauen zusammen. „Wie wäre es damit Essen zu gehen? Ich weiß nicht, aber Andrews Kochkünste sind nicht immer Spitzenklasse. Ich hab vor ein paar Tagen in der Innenstadt ein neues Sushi-Restaurant gesehen, das ..."

„Toter, ungekochter Fisch? Sehe ich aus wie eine Seemöwe? Wie wär’s mit Italienisch? Ich mag Italienisch."

„Nun... Pasta lässt meinen Magen nicht gerade jubeln, aber ... Pizza ist gut! Eine nette Peperoni Pizza und etwas Wein hier vor dem Kamin... ich hab auch ein Video, das wir schauen könnten, über die Spanische Inquisition."

Kennedy lachte laut auf. „Nobody expects the Spanish Inquisition."

„Huh?"

„Monty Python? Der bequeme Sessel und die fanatische Treue zum Papst? Du weißt schon? ... Okay, anscheinend nicht. Nun, das könnten wir statt dessen schauen."

„Um, ja, aber ich, nun, ich steh nicht gerade auf britischen Humor."

„Im Ernst? Du magst doch Giles und du must zugeben, er kann manchmal ziemlich komisch sein."

Willow zuckte mit den Schulter. „Nun, er ist nicht mehr so britisch wie früher. Er ist sozusagen „amerikanisiert" worden."

Kennedy schaute ungeduldig auf Willow. Dann begann sie, mit den Fingern gegen ihren Oberschenkel zu tippen.

„Es ist okay, Süße," sagte Willow. „Wir können Monty Python schauen, wenn du möchtest."

Kennedy tippte noch etwas weiter mit den Fingern, dann stoppte sie. „Ich hab ne Idee," sagte sie und lächelte Willow von der Seite an. „Lass uns ins Schlafzimmer gehen, ausziehen und „Vom Winde verweht" reinschieben. Der Film, eine Schüssel Popkorn ... oh, ja - und Du! Zwei Scarlets wären genau das Richtige. Einverstanden?"

Willow zögerte einen Moment, dann grinste sie herausfordernd. „Erste liegt oben," sagte sie und rannte los Richtung Schlafzimmer. Kennedy war ihr dicht auf den Fersen.

 

 

Zweiter Akt

Int.

Rat der Wächter Küche – Morgens

Dawn hüpfte glücklich in die Gemeinschaftsküche.

„Hi!"

„Aieeek!" Andrew schwang herum, wobei seine Schürze wie ein Rock um ihn wehte. Er hielt dem grinsenden Teenager einen langen Metalllöffel entgegen. „Hör damit auf," erklärte er ihr.

„Oder was? Du rührst mich um?"

„Als ich dich verlassen habe" sagte er und hielt den Löffel wie ein Lichtschwert vor sich, „war ich nur ein Schüler. Nun," er wandte sich um und rührte schnell in einem Topf, „bin ich ein Chefkoch."

Eine kleine Bewegung am Küchentisch erregte Dawns Aufmerksamkeit und sie drehte sich um. Sie sah gerade noch wie ein Junge in ihrem Alter die Augen rollte. Er hatte dunkle Haare und klare blaue Augen.

„Hi," sagte Dawn und setzte sich.

„Mm."

„Ich bin Dawn."

„Ich weiß."

„Tatsächlich?" fragte sie mit einem Anflug von Überraschung.

„Klar! Dawn Summers. Der menschliche Schlüssel. Die freche jüngere Schwester der Jägerin. Das Scoobylein. Du hattest Spike als Babysitter und wurdest vom Geist deiner Mutter heimgesucht. Du konntest nur rumlaufen und Däumchen drehen, als das Urböse kam, während alle anderen zu Jägerinnen wurden. Aber du bist hübsch. Also hast du auch positive Seiten."

„Und wer zur Hölle bist du?"

„Jeff. Jeff Lindquist."

Dawn überlegte eine Sekunde. „Riiichtig. Der Feuerteufel." Sie sah ein offenes Buch mit Sprüchen vor dem Jungen auf dem Tisch liegen. „Willst du mal wieder was abfackeln?" stichelte sie.

Er hob es an, so dass sie den Titel sehen konnte. Sie starrte auf die fremdartigen Schriftzeichen.

„Du liest das in Sumerisch?"

Wieder rollte er die Augen. „Du weißt nicht sehr viel. Das ist altes Sumerisch."

„Alles Sumerisch ist alt. Es ist eine tote Sprache," konterte sie. „Aber ich bin sicher, das weißt du auch ... also, wann hast du gelernt, altes Sumerisch zu lesen?"

Jeff legte das Buch zurück. „Meine Mutter hat es mir beigebracht. Sie unterrichtet hier. Wir wohnen im Gebäude der Wächter. Was ist mit dir?"

„Ich lebe bei meiner Schwester."

„Schon klar - ich meine, wer hat es dir beigebracht?"

„Oh! Nun, Giles hat damit begonnen und dann habe ich den Rest hier und da aufgepickt ..."

Die beiden unterhielten sich während Andrew das Frühstück zubereitete.

Int.

Rat der Wächter, Küche – Morgens

Willow stand am Schalter und wartete, bis die Angestellte die Anträge und Papiere fertig bearbeitete, die ihr der Installateur, der die Sprinkleranlage verbessern sollte, mitgegeben hatte.

Sie bemerkte dabei nicht die junge Frau, die auf der anderen Seite der Halle aus einem Büro herausschlich. Amy hatte soeben den letzten von einer ganzen Serie an Talismanen platziert, die sie im ganzen Rathaus verteilt hatte.

„Nun, sind Sie sicher, dass auch Ihre Rauchdetektoren up to date sind?" fragte die Angestellte. „Dies bezieht sich nur auf die Wasserrohre, nicht auf die elektrischen Anlagen."

„Oh ja, modernste Detektoren für Alles, was raucht. In jeder Ecke und jedem Winkel." Willow antwortete mit einem Lächeln.

Die Angestellte lächelte zurück.

Ethan trat direkt hinter Amy, die um eine Ecke in die Halle spähte.

„Wenn Sie unauffällig sein wollen, ist „um die Ecke linsen" nicht gerade hilfreich. Darf ich einen Unsichtbarkeitsspruch empfehlen? In dem Fall müsste sie niemand sehen." Das letzte hatte er leise angefügt.

„Still," flüsterte sie.

„Na, na. Wir sehen ja aus als hätten wir ein Gespenst gesehen. Keine Sorge. Ich bin sicher, es wird mehr Angst vor Ihnen haben ... wenn es klug ist."

Amy ignorierte Ethan einfach. Er trat neben sie und schaute in die Halle. Am Schalter stand eine Kundin und unterhielt sich freundlich mit der städtischen Angestellten. Er schaute zurück auf Amy und wunderte sich über ihr Interesse an diesem Gespräch.

„Ich kenne sie," flüsterte Amy. „Sie könnte meine Tarnung auffliegen lassen."

„Oh, klar, dann sollten wir natürlich hier stehen bleiben, bis sie Sie bemerkt."

Die Stimme der Kundin war jetzt auch für Ethan schwach zu hören.

„Und dann, ein anderes Mal, war ich gerade mit dem Unterricht fertig und der Sprinkler ging einfach von alleine ..."

Ethan drehte langsam den Kopf. Irgendwie klang diese Stimme vertraut. Aber er konnte nur ihr rotes Haar sehen. Plötzlich fiel der Stift herunter, den die Frau gehalten hatte. Als sie sich bückte und ihn aufhob, dabei gemeinsam mit der Angestellten lachend, erhaschte Ethan einen guten Blick auf ihr Gesicht.

„Tststs. Was für ein Zufall. Aber was macht sie hier?"

„Sie kennen sie auch?" fragte Amy überrascht.

„Sie ist doch die Freundin der Jägerin. „Holly... Cherry... Wisteria... ."

„Willow," sagte Amy. „Willow Rosenberg."

„Ja genau. Gerüchte in der Unterwelt besagen, dass sie vor einiger Zeit leichte Probleme mit Schwarzer Magie hatte. Soll jemand nur durch Anschauen lebendig gehäutet haben - sehr mächtig, habe ich gehört," sagte er mit Bewunderung in seiner Stimme.

„Wer hat Ihnen denn davon ...?"

„Woher kennen Sie sie?" konterte Ethan.

„Ich habe früher in Sunnydale gelebt. Wir gingen zusammen zur Highschool mit Buffy, Willow und dem Rest der ..."

„Ah ja, die Jägerin und ihre Groupies."

„Scoobies," korrigierte Amy ihn.

„Wie auch immer. Also, dann kennen Sie sie also gut - inklusive, vielleicht, auch eines gewissen Rupert Gi ..."

„Psst! Schnell - hier rum," Amy zog Ethan in eine Nische bei den Fahrstühlen, da Willow sich umgewandt hatte und in ihre Richtung kam.

Sich selbst in die Ecke quetschend zog Amy Ethan zu sich heran und presste ihre Lippen auf seine. Sie hielt seinen Kopf fest in ihren Händen und durchwühlte dabei sein Haar.

Willow kam in den Gang zu den Fahrstühlen und sah das Paar in der Ecke - die Frau war fast völlig verdeckt von dem Mann, der den Rücken zu ihr hatte.

Sie lächelte und wandte sich schüchtern ab.

Ethan begann sich ungemütlich gegen Amys dünne Lippen zu winden. Sie schaute kurz hoch und sah, dass der Fahrstuhl noch nicht eingetroffen war. Amy fühlte, dass Ethan sich freimachen wollte und drückte ihm zornig die Fingernägel in die Kopfhaut. Er zuckte kurz vor Schmerz, aber hielt dann den Kontakt aufrecht.

Beim Fahrstuhl trat Willow von einem Fuß auf den anderen und versuchte nervös, jeden Blick zu dem verliebten Paar zu vermeiden. Endlich erschien der Fahrstuhl und nach einer Ewigkeit öffneten sich die Türen.

„Fahrstuhl ... ist ... hm ... da," bemerkte sie schüchtern. Das Paar machte aber keine Anstalten einzusteigen. Sie lächelte verlegen, schaute zu Boden und trat ein. „Was ihr natürlich eigentlich braucht ist ein Raum," murmelte Willow während sie den Knopf fürs Erdgeschoss drückte.

Die Türen schlossen sich - und in dem Gang davor ertönte ein klatschendes Geräusch.

„Was?" protestierte Ethan mit der Hand im Gesicht. „Sie haben angefangen ... Aufreißerin."


„Kommen Sie," sagte Amy. „Ich will sehen, wo sie hin geht."

„Oder zu wem sie geht," fügte Ethan an als sie die Treppe hinunterhasteten.

Willow verließ das Rathaus durch den Hauptausgang und ging die Straße entlang. Amy und Ethan verließen das Gebäude nur wenige Sekunden später.

„Dort ist sie," sagte Amy.


Sie und Ethan hielten vorsichtig Abstand als sie dem Rotschopf folgten.

Willow stoppte bei einen silbern glänzenden Aston Martin und Ethan stoppte Amy mit ausgestrecktem Arm, als er das sah.

„Ripper ..." flüsterte Ethan leise.

„Wer?" fragte Amy während sie Willow und Giles in dem nur wenige Meter entfernten Auto beobachteten.

„Stehst also immer noch auf junge Dinger, eh alter Kumpel?"

„Sie meinen Giles? Yeah," spottete Amy. „Erst hat er sich mit Buffy eine kleine Jägerin gehalten und jetzt mit Willow eine kleine Hexe."

„Ah, der süße Ton von Eifersucht und vielleicht einer kleinen Beigabe - etwa purem Hass?"

„Es geht nicht um Hass, sondern um Macht. Sie hat sie und ich will sie."

„Schnell," sagte Ethan. „Sie fahren los. Taxi!"

Ein gelbes Taxi hielt an und Ethan sprang hinein. Amy zog er dabei einfach mit rein.

„Wohin soll’s gehen?" fragte der Taxifahrer.

„Wie interessant, das einmal sagen zu können," erwiderte Ethan. „Folgen Sie dem silbernen Wagen!"

Es dauerte nicht lange und sie hatten das Stadtzentrum hinter sich gelassen. Nun ging es in Richtung zum Eriesee. Als der silberne Aston in eine lange Einfahrt bog, die zu einem großen verklinkerten Gebäude führte, bat Ethan den Fahrer anzuhalten und sie rauszulassen.

„Warten Sie hier," sagte er dem Fahrer. „Es wird nicht lange dauern."

„Ich werde nicht fürs Warten bezahlt."

„Oh, Sie werden - und zwar sehr gut," Ethan winkte mit einem Bündel Geldscheine.

„Wenn Sie das so sagen," grinste der Taxifahrer und stellte den Motor ab.

Ethan und Amy schlichen sich vorsichtig entlang der Zufahrtsstraße, immer darauf bedacht, nicht gesehen zu werden. Sie blieben in einiger Entfernung vom Gebäude hinter einer Gruppe von Bäumen stehen und beobachteten, was weiter passierte.

Drei junge Frauen kamen aus dem Haus und sprachen mit Giles und Willow. Dann ging die gesamte Gruppe hinein.

„So so, Ripper ... hier hast du dich niedergelassen. Und du hast die Fahne der Wächter gehisst. Aber wo ist deine Jägerin?" überlegte Ethan.

„Sie ist nicht hier, sie ist nicht mehr mit Giles zusammen," erklärte Amy ihm. „Aber das Mädchen - das hintere mit den langen Haaren - das ist Buffys Schwester, Dawn."

„Nun," sagte Ethan und schaute Amy an als sähe er sie zum ersten Mal. „Du scheinst eine Menge zu wissen über Ripper und seine kleine rote Hexe und ihre Freunde. Es scheint, er hat jetzt genug von Blondinen und steht statt dessen auf Rothaarige."

„Glauben Sie mir," sagte Amy, „da läuft nichts zwischen Giles und Willow. Zumindest nicht in der Art."

„Oh, Sie kennen Ripper nicht so gut wie ich."

Amy prustete. „Und Sie kennen Willow nicht."

„Aha. Sie ist also ein braves Mädchen."

„Nein. Sie ist lesbisch."

„Ah. Und Sie sind sicher, dass sie nicht eifersüchtig sind?"

Int.

Ethans Raum – Hyatt Regency Hotel – Abends

An diesem Abend war Ethan allein in seinem Zimmer. Er saß mit freiem Oberkörper im Schneidersitz auf dem Fußboden. Vor ihm war ein Kreis aus Kerzen, die mit einem groben Band verbunden waren. Innerhalb des Kreises lag ein Zettel mit der Adresse des neuen Ratsgebäudes. Unter diesem Zettel steckte ein altes Foto eines jungen und langhaarigen Rupert Giles, der gerade auf einer E-Gitarre spielte.

Ethan hob das zerknitterte Foto auf und schaute es an.

„Was für eine Verschwendung," sagte er leise. „Es lief so gut für dich und ..." er stockte und seufzte scharf. „Und du hast es - einfach - weggeworfen," endete er angewidert. „Nun ja," murmelte er ernst, „mal sehen, ob wir das jetzt nicht ausgleichen können."

Er wickelte einige Kräuter in das Papier mit der Adresse und faltete es geschickt zusammen. Dann legte er das kleine Päckchen auf das Foto und streute weitere Kräuter darüber. Danach begann er einen Spruch aufzusagen:

„By this black night and

this red flame,

Let naught, for you,

be quite the same.

And those who, with you,

do remain,

Beleaguered be;

and Chaos reign."

(Bei der Schwärze der Nacht und

dieser roten Flamme,

Lass nichts, für dich,

sein wie bisher.

Und mögen die, die mit

dir bleiben noch,

belagert sein;

und das Chaos regiere.)

Er klatschte einmal scharf in die Hände. Eine Flamme stieg aus dem Kräuterpäckchen auf und verbrannte es in kürzester Zeit. Nur das Foto des jungen, rockigen Giles blieb unversehrt auf dem Boden zurück.

Int.

Amys Raum – Hyatt Regency Hotel – Abends

Im benachbarten Zimmer arbeitete Amy an einem direkteren Spruch. Sie besaß kein Foto von Willow, also hatte Ethan ihr clevererweise ein Bild gezeichnet. Es war gar nicht so schlecht - sicherlich ähnlich genug, damit der Spruch funktionieren würde. Die Flamme, die sie produzierte, verbrannte alles, auch das Bild von Willow, bis nur noch ein winziger Aschehaufen übrig blieb.

Int.

Ethans Room – Hyatt Regency Hotel – Abends

Ethan hob das Foto von Giles auf und lächelte es fast warm an.. „Weißt du, alter Kumpel," sagte er zu dem Bild, „Cyril hatte Recht. Dieser Job macht mir viel mehr Spaß als die vorherigen..."

Int.

Rat der Wächter, Küche – Morgens

Es war Andrew, der das Problem zuerst bemerkte. Das Wasser aus dem Kaltwasserhahn war kochend heiß und das aus dem Warmwasserhahn eiskalt. Giles spürte es auch, als er seine morgendliche Dusche begann und ihn das Wasser mit der Gemütlichkeit eines Grönländischen Gletschers traf.

Anderswo in der Schule funktionierten Lichtschalter nach dem Zufallsprinzip, mal war jedes Licht an, andere Räume blieben dunkel. Zwei Birnen im Schlafsaal der Mädchen summten plötzlich wild und explodierten dann, wobei ein Regen von Glassplittern im Zimmer niederging.

Dawn bekam zunächst nichts davon mit, da sie in ihrem eigenen Raum fest am Schlafen war.

Ihr Wecker ertönte plötzlich und sie wurde gerade wach genug um mit der Hand danach zu tasten und ihn abzustellen. Dann rollte sie auf die andere Seite und zog die Bettdecke über den Kopf um das morgendliche Sonnenlicht abzublocken. Der Wecker rappelte wieder. Sie schaltete ihn erneut aus. Er rappelte wieder. Sie stellte ihn wieder aus. Er klingelte weiter und weiter bis sie schließlich die Batterien herausnahm und unter das Bett warf. Alles war ruhig und still für ein paar Minuten. Lächelnd atmete sie tief ein und entspannte sich um wieder einzuschlafen.

Das Rollo am Fenster rollte sich plötzlich auf und traf mit so großer Kraft oben auf, dass die ganze Rolle aus der Verankerung riss und zu Boden krachte. Sonnenlicht traf direkt auf Dawn und sie starrte seufzend zur Decke.

Int.

Rathaus – Morgens

„Sie sollten genau in diesem Moment die ersten Auswirkungen spüren, würde ich schätzen," sagte Ethan zu Amy. Sie waren auf dem Weg um ihren eigentlichen Auftrag zu erledigen.

„Ich versteh das nicht," sagte Amy als sie sich dem Rathaus näherten. „Was ist zwischen Ihnen und Giles gelaufen?"

„Mehr als er jemals zugeben würde," erwiderte Ethan ernst.

„Nun, falls Sie irgendwelche Hilfe benötigen ..."

„Meine Teuerste, Ripper ist die eine Person, wo ich keine Hilfe brauche. Und jetzt lassen Sie uns diese letzten Talismane platzieren. Es sind nur noch ein paar und wenn das erledigt ist können wir mit dem Spruch beginnen."

„Ich finde, wir zaubern zu weitreichend. Wir können nicht so viele Leute auf Mal kontrollieren - ich meine, der gesamte Stadtrat und ..."

„Ja, aber sehen Sie, meine teure - teure Assistentin ... dies sind Politiker - also leicht zu beeinflussen und zu kontrollieren. Es wäre natürlich deutlich schwieriger, wenn sie eigene Ansichten hätten oder einen besonders starken Willen. Aber selbst wenn das für ein oder zwei zuträfe, sie wären keine Gegner für mich."

„Oder mich."

„Das sagen wir alle ..."

Amy wandte den Kopf scharf zu ihm um und schaute ihn böse an, aber Ethan ging einfach weiter als hätte er es nicht bemerkt. Sie stand auf dem Bürgersteig, in Gedanken versunken.

Ethan wandte sich um als er den Eingang des Gebäudes erreicht hatte.

„Und jetzt arbeite ich ganz allein?" fragte er sie ohne zu lächeln. Er wartete nicht auf ihre Antwort. „Gut. Das war es ja von Anfang an, was ich wollte." Er öffnete die Tür und betrat das Gebäude ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

Amy folgte ihm wütend.

Int.

Willows Vereinigungszimmer – Nachmittags

Willow betrat lächelnd den Klassenraum. Sie schaute sich um und sah, dass ihr Besuch, Dawn, einen Platz neben Jeff ausgesucht hatte. Wie üblich blieben alle Schüler - auch Dawn - hinter ihren Tischen stehen, bis Willow den Segen gesprochen hatte:

Gesegnet sei die Erde.

Gesegnet sei das Wasser.

Gesegnet sei der Himmel

Und wir, ihre Söhne und Töchter.

Gesegnet seien unsere Hände.

Gesegnet seien unsere Gedanken.

Gesegnet seien unsere Werke,

Dass wir der Menschheit helfen mögen.

Gesegnet sei, gesegnet sei, gesegnet sei.

Und wie üblich gab Willow ihnen zu Beginn der Stunde einen einfachen Spruch als Aufgabe. Heute war es ein klein wenig schwieriger - sie sollten ihre Stühle herausziehen, ohne sie zu berühren.

Willow führte es zunächst vor, indem sie ihren eigenen Stuhl ansah. Fast sofort bewegte er sich zurück und schabte dabei leicht über den Boden. Er blieb genau an der richtigen Stelle stehen und Willow setzte sich.

Es entstand eine kleine Pause, als die angehenden Hexen ihre Stühle anschauten. Dawn zuckte mit den Schultern und beschloss, es auch zu versuchen.

Zunächst waren es nur ein oder zwei Stühle, die sich quitschend und ruckartig über den Boden bewegten, aber bald standen auch die anderen - bis auf zwei - in kürzerem oder größerem Abstand von den Tischen entfernt. Die Schüler setzten sich nacheinander hin.

Dawns Stuhl schien leicht zu wackeln, was Willows Aufmerksamkeit erregte. Ihre Augen verengten sich bei diesem Anblick. Das Getuschel in der Klasse wurde leiser, als Willow langsam wieder aufstand. Dawns Stuhl machte Lärm während er an seiner Stelle hin und her ruckelte.

In diesem Moment bemerkte Willow das gerissene Grinsen in Dawns Gesicht. Nach unten blickend erkannte sie die Quelle der Magie am Ende von Dawns Fuß. Das Mädchen stubste den Stuhl mit ihrer Zehe an. „Dawnie!" lachte Willow laut auf.

„Du musstest nachschauen," sagte Dawn mit einem Grinsen.

Jeffs Stuhl - der sich bisher nicht gerührt hatte - bewegte sich plötzlich. Er schoss mit einem Salto über die Tische dahinter. Zwei Schüler mussten sich zur Seite werfen um nicht getroffen zu werden. Der Stuhl prallte mit lautem Krachen gegen die Wand, brach mitten durch und fiel zu Boden.

Der Raum war still. Jeder starrte erst auf den Stuhl und dann auf Jeff, der mit geballten Fäusten und einem verärgerten Gesichtsausdruck dastand.

Willow runzelte die Stirn. „Und erneut, etwas zu viel Energie für ..."

„Wow!" sagte Dawn. „Das war - wow. Selbst Will war nicht so stark als sie anfing ..."

Dawn hörte das Gekicher von einigen der anderen Mädchen.

Jeff schaute weg. Er zog sich einen anderen Stuhl heran und setzte sich missmutig hin.

Dawn setzte sich leise hin.

Willow warf einen scharfen Blick zu den kichernden Mädchen, aber sagte nur freundlich, „Es ist immer gut, viel Kraft zu haben. Manchmal kann es aber schwierig sein, diese Kraft zu kontrollieren. Das kommt dann durch Alter, Übung und Geduld. Und es zahlt sich aus. Glaubt es mir."

Sie lächelte und wollte sich hinsetzen, kam aber nicht dazu. Plötzlich schoss ihr Stuhl nach hinten weg und knallte gegen die Wand während Willow hinfiel und aus dem Blickfeld verschwand. Alle Schüler sprangen von ihren Sitzen auf und sammelten sich um Willows Schreibtisch. Sie fanden sie auf dem Boden sitzend, das Gesicht schmerzverzerrt und dabei, ihren Hintern zu reiben.

Sie schaute auf. „Jeffrey - ich würde dich gern nach der Stunde sprechen. Ihr alle, setzt euch hin - aber vorsichtig. Und niemand tut oder sagt etwas. Nun lasst uns mit der Arbeit anfangen."

Dawn flüsterte zu Jeff. „Kleiner Tipp - mach Willow nicht sauer."

Jeff schaute Dawn an. „War ich nicht," sagte er irritiert.

„Was hast du gesagt?" fragte Willow.

Jeff sah hoch und bemerkte, dass Willow ihn erwartungsvoll anschaute. „Ich sagte, ich war es nicht," wiederholte er mit lauterer Stimme.

Die anderen Schüler kicherten wieder. Willow warf ihm einen Blick zu und wollte etwas sagen, aber irgendetwas in Dawns Ausdruck ließ sie stoppen. Willow seufzte und griff nach ihren Unterlagen.

„Wenn du es nicht warst," flüsterte Dawn, „wer könnte es dann gewesen sein?"

„Ich weiß es nicht," flüsterte Jeff zurück. „Aber wenn ich es herausfinde ..."

„Psst," sagte Dawn, die gemerkte hatte, dass Willow zu den zweien herüberschaute. „Wir kümmern uns später drum - nach der Schule."

Jeff wandte sich zu ihr und blinzelte mehrmals - er war überrascht. Dawn lächelte einfach und unerwarteterweise fand er sich dabei wieder, wie er zurücklächelte.

Fade to

Int.

Rathaus – Später Morgen

Eine Stunde später verließen Amy und Ethan das Rathaus. Ethan hielt eine Liste in der Hand.

„Wir werden uns die Abteilungsleiter aus der Verwaltung morgen vornehmen," sagte Ethan zu Amy. „Ich muss nur noch alles vorbereiten."

„Gut," sagte Amy, „dann kann ich heute ja ein wenig Shoppen gehen."

Ethan stoppte. „Shoppen? Ich dachte, Sie würden mitkommen zu Rippers neuem Heim für heimatlose Jägerinnen ..."

„Ja, ja, wollte ich eigentlich. Wirklich. Aber ich - nun ja, ein Mädchen braucht einfach gewisse Dinge, verstehen Sie? Es bleibt noch genug Zeit für Ri... äh Giles." Grimassierend fügte sie hinzu, „Und Willow."

„Ich verstehe ... nun denn - ich sehe Sie dann heute Abend im Hotel."

Amy war einverstanden und so trennten sie sich um jeder ein Taxi zu nehmen.

„Wohin?" fragte der Fahrer Ethan.

„Sehen Sie das Taxi, das gerade losgefahren ist? Da an der Ampel?"

„Klar."

„Folgen sie ihm."

Hinterer Gang, Schule der Wächter

Mittags

„Du irrst dich, Ken. Das Jeff es absichtlich tut."

„Willow, er hat deinen Stuhl in einen Torpedo verwandelt."

„Nun, vielleicht. Okay, ja. Aber er ist nur ein Kind u-und er hat verflixt viel Po-Potential. Er muss nur lernen es zu kontrollieren. Außerdem ist er halt ein Teenager mit viel aufgestautem Ärger und - und ich weiß, dass nichts den Energielevel einer Hexe so pusht wie ein wenig - nun ja, grummelig und voller Hormone zu sein."

Kennedy schaute ungeduldig zu Willow. „Nein. Du hast einen Fehler damit gemacht, ihn an der Zauberklasse teilnehmen zu lassen. Er hat das nicht im Griff. Außerdem macht er schon genug Ärger, ohne Magie zu benutzen. Oder hast du die Sache mit der Wäsche schon vergessen?"

„Nun ... es ist alles zurückgebracht worden. Sogar die Unterwäsche ..."

„Hallo? Er hat es am Fahnenmast aufgezogen als gerade der Stadtrat kam um Giles die endgültige Genehmigung für die Schule ..."

„Und außerdem ist kein Wäschestück dabei zu Schaden gekommen."

Kennedy drehte sich verärgert von Willow ab.

„Und sie hatten diese schöne Seebrise um ..."

„Willow! Das ist nicht der Punkt," beharrte Kennedy.

„Schau Ken, als deine Freundin sage ich es mit Liebe - dies ist nicht gerade dein Fachgebiet, ok? Ja, der Junge muss seinen Ärger kontrollieren lernen und spielt gerne Streiche, aber er ist nicht viel anders als ich damals war u-und vielleicht, wenn ich damals jemand gehabt hätte, der mir richtigen Unterricht gegeben hätte ... Lass es uns so sagen, Einiges hätte anders laufen können."

Kennedy schien von diesem Geständnis nicht sehr berührt. „Was ist, wenn er dem Zirkel beitreten will? Niemand dort will ihn dabei haben."

„Er kann dem Zirkel nicht beitreten."

„Gut. Huh? Warum? Er kann doch zaubern - schlecht zwar - also warum kann er nicht beitreten? Nicht, dass ich widersprechen möchte."

„Abgesehen davon, dass du und alle anderen ihn für einen - einen Taugenichts halten? Weil er noch zu jung ist. Du musst volljährig sein, bevor du einem Zirkel beitreten kannst. Einige Rituale und Sprüche sind zu ... anspruchsvoll, als dass ein Kind teilnehmen könnte. Und für einige ist man gekleidet, wie die Göttin uns geschaffen hat. Du verstehst schon - nackt ... man beginnt zwar meist mit kratzigen Umhängen, aber dann ..."

„Werden sie abgelegt?" Kennedy lächelte verführerisch und drehte sich zu Willow um.

„Ja. Sie ..."

Kennedy presste ihre Lippen auf Willows und sie küssten sich einen Moment lang zärtlich.

„Vielleicht sollte ich dem Zirkel beitreten," sagte Kennedy. „Oder vielleicht sollten wir unser eigenes Ritual durchführen."

„Mmmm ... Ken ... mmmmmmm ... Ken, Liebling, ich muss nach unten und den Unterricht für nächste Woche vorbereiten. Ich sehe dich nach dem Abendessen und dann können wir vielleicht ... einige kratzige braune Roben auftreiben."

„Hmm? Hört sich gut an," Kennedy lächelte lasziv. Sie drehte sich um und ging in die Halle zu ihrem nächsten Unterricht.

„Behalt diesen Gedanken!" rief Willow lächelnd hinter ihr her. Willow begab sich zur hinteren Treppe um dem Schwall an Schülern auszuweichen, die jetzt vom Mittagessen kommen würden.

Sie öffnete die schwere Stahltür und ignorierte dabei das Schild mit der Aufschrift „Vorsicht! Baufällig! Betreten verboten!". Licht fiel durch die hochliegenden Fenster ins Treppenhaus, so dass sie die Augen zusammenkneifen musste. Sie wartete, bis sich ihre Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten. Dann ging sie vorsichtig die Treppe hinunter. Sie war etwa vier oder fünf der angeschlagenen Betonstufen hinuntergegangen, als es passierte.

Ihre Beine wurden wackelig. Ihr wurde schummrig. Sie griff nach dem Geländer um sich festzuhalten. Aber das Geländer löste sich einfach, als wäre es nur aus Knetgummi gefertigt.

„Oh!" rief sie und taumelte.

Sie fiel mit dem Gesicht voran bis zum nächsten Absatz hinunter und bewegte sich nicht für einige Sekunden. Ihr Magen war durcheinander. Sie konnte nicht atmen. Sie keuchte abgehackt, bis wieder Luft in ihre Lunge kam.

Sie wollte aufstehen, aber ihr rechtes Knie fühlte sich an, als stände es in Flammen und schmerzte viel zu sehr um es zu beugen. Etwas Feuchtes tröpfelte von ihrer Stirn auf ihre Lippe und sie erkannte den leicht metallenen Geschmack von Blut.

„Ken ..." sagte sie erschüttert, während sie sich mit den Händen abstützte. „Gi ..."

Ihre Arme gaben nach und ihre Wange traf mit einem dumpfen Klatschen auf dem Boden auf. Sie lag bewusstlos im Licht der hereinfallenden Sonnenstrahlen, ihr Körper bedeckt mit Staub und Betonkrümeln.

Ext.

Hyatt Regency Hotel – Nachmittags

„Lassen Sie mich hier bitte raus," sagte Ethan, als Amys Taxi vor ihnen beim Hyatt Regency vorfuhr.

Er warf dem Fahrer mehrere Geldscheine zu, ohne auf deren Wert zu achten und stieg aus.

„Hey, Mister, Ihr Wechselgeld ..." Ethan blockte die Stimme des Fahrers einfach aus.

Ethan seufzte während er langsamer wurde. „Na das war eine Menge Geld für Nichts," sagte er laut. „Oder war es doch etwas?" Eine gut gekleidete ältere Dame warf ihm einen irritierten Blick zu.

Ethan betrat das Regency kurz hinter Amy und sah noch, wie sich die Fahrstuhltür schloss. Er stieg schnell in den zweiten Fahrstuhl und fuhr zu ihrem Stock hinauf. Er kam gerade rechtzeitig um zu sehen, wie sich ihre Zimmertür schloss.

Leise betrat er seinen eigenen Raum und bewegte sich lautlos zur Verbindungstür. Er presste sein Ohr ans Holz.

„Gesegnet seien die dunklen Götter, die Quelle meiner Kraft, meine Seelen-Führer und meine Stärke ..."

Ethan lauschte sorgfältig als Amy für ihren Zauber die dunklen Götter anrief. Sie hatte anscheind eine ihrer handgetriebenen Spruchschalen mit den Spruchzutaten gefüllt. Sie fuhr mit dem Gesang fort, während sie ein Pentagramm um sich und die Schale zeichnete. Dann schloss sie das Pentagramm ab und entzündete an jeder Spitze eine Kerze.

„... rufe ich dich herbei und sende dich hinaus in die Welt."

Ethans Augen weiteten sich als er den Spruch erkannte.

„... erwache und entflamme, atme von dieser Welt und wüte über ihre Schönheit. Sei nicht länger ein Schatten sondern mit Leben gefüllt über Wind und Wasser und Erde, dass sich selbst das Feuer vor dir niederbeuge und so die komplette Fülle deines Lebens entflamme."

Amy entzündete die Ingredenzien in ihrer Schüssel. Sie begannen zu qualmen und glühen. Eine Flamme erschien - klein zunächst, dann stieg sie zu einer Höhe von über einem Meter.

„Erwachet alle! Erwache und sei! Erwache und gesegnet seist du!"

Amy streute Eibenrinde, Beifuß, Fuchsschwanz und Ebenholzsplitter über die brennende Schale. Die Flamme sackte kurz zusammen und stieg dann wieder auf.

Danach tröpfelte sie eine Flüssigkeit über die Mixtur. Die Flamme wurde sofort eingesaugt; es zog den Sauerstoff an, als wäre es ein Vakuum.

Amy schaute nach unten. Alle Zutaten waren komplett verschwunden. Es war nichts mehr in der Schale geblieben. Sie war wieder so rein wie vor dem Ritual.

Sie lächelte.

„Bei Janus und allen Göttern," flüsterte Ethan hinter der geschlossenen Tür. „Was hast du getan?"

Ethan wartete einige Zeit bei der Tür bis er sie weggehen hörte. Dann folgte er ihr aus dem Hotel und zum Arcade Einkaufscenter, wo sie zu einer Telefonzelle ging. Er schlich sich vorsichtig heran und hörte, wie sie Cyril Rodhams Namen nannte und davon sprach, dass ihr Auftrag ausgeführt sei. Dann legte sie auf und ging einkaufen.

Ethan drückte sich hinter eine Säule, bis sie außer Sicht war. Dann betrat er selbst die Telefonzelle und tätigte einen Anruf. „Hier ist Rayne. Ich brauche eine Information. Ich muss wissen, ob sich ein schlafender Höllenschlund oder ein Dimensionsportal in oder bei Cleveland befindet. Nein, Cleveland, New Jersey - natürlich Ohio! Ja, ich warte ... als ob ich eine Wahl hätte."

Int.

Schule der Wächter – Hinterer Gang

„Wo gehen wir hin?" fragte Dawn Jeff.

„Zum geheimen Versammlungsort."

„Geheimen Versteckort?"

„Versammlungsort! Den geheimen Versammlungsort. Immer wenn die Klasse Magie anwenden will, ohne dass Willow es erfährt, gehen sie zu ihrem geheimen Versammlungsort."

„Sie treffen sich um alleine Sprüche zu machen?"

„Genau. Das und um zu rauchen und Bier zu trinken."

„Nun, wenn es so geheim ist, warum weißt du davon?"

„Weil ich ihnen heimlich folge. Und ich beobachte sie und belausche ihre Gespräche. Ist meist ziemlich langweilig. Sie reden immer nur über den gleichen Kram, meistens über Klamotten und über Jungen - und mich."

„Was sagen sie über dich?"

„Das Übliche," grunzte er und fiel in Schweigen.

Der Ausdruck seines Gesichts sagte Dawn, dass sie in diesem Punkt nicht weiter nachhaken sollte.

„Und warum gehen wir zum geheimen Versammlungsort?" fragte sie statt dessen.

Jeff rollte mit den Augen. „Wenn wir rauskriegen wollen, wer den Zauber auf Willows Stuhl angewendet hat, müssen wir nach Hinweisen suchen."

„Da, wo Zauber gesprochen werden ... im Geheimen ... am geheimen Versammlungsort," endete Dawn für ihn.

„Waren alle Scoobies so clever wie du?"

Dawn verkniff sich eine scharfe Erwiderung.

„Hier lang," sagte er. Sie gingen durch einen dunklen Korridor auf der Rückseite des Gebäudes.

Dawn entdeckte eine optische Illusion: der zusätzliche Korridor war erst zu sehen, wenn man dicht davor stand, da er in sehr scharfem Winkel vom anderen Korridor abging. Es sah aus, als ob sie in eine Sackgasse gingen. „Welcher Teil des Gebäudes ist das hier?" fragte sie etwas unruhig.

„Hast du Schiss?"

„Nein. Es ist nur - diesen Teil von diesem Bau hab ich noch nicht gesehen."

„Du hast Schiss," schloss Jeff.

„Hey!" sagte Dawn laut. „Ich hab ner ganzen Menge fieser Monster gegenüber gestanden - dunkle Gänge sind Nichts im Vergleich zu Vampiren."

Jeff ignorierte den Kommentar und zeigte nach vorne. „Hier geht es lang."

Er führte sie zur Tür zum geheimen Versammlungsort. An der Tür war ein Schild, das sie nur zum Teil erkennen konnte. Die Worte „Vorsicht" und „verboten" sprangen ihr ins Auge. Jeff öffnete die Tür.

„Sie sind heute abend nicht hier," erklärte er. „Sonst hätten wir das Licht unter der Tür durch gesehen." Er holte etwas aus der Tasche und - klick - ein Lichtstrahl fiel auf die Treppe.

„Du hattest die ganze Zeit eine Taschenlampe - hey! Was ist das? Dort unten!"

Jeff leuchtete auf die Stelle, die Dawn angedeutet hatte. Am Fuße des Absatzes lag regunglos eine beiden bekannte Gestalt.

„Oh mein Gott, oh mein Gott," Dawn flog geradezu die Stufen hinunter.

„Hey, vorsichtig!" rief Jeff warnend.

„Willow!" rief Dawn aus. Einer ihrer Füße rutschte auf der baufälligen Treppe ab und sie wäre auch fast hinuntergestürzt. Sie fasste das Gelände und konnte sich fangen, dann eilte sie weiter an Willows Seite.

„Willow? Willow!" Sie berührte die Hexe sanft an der Schulter um sie zu wecken.

Jeff hatte sie auch erreicht und kniete neben Dawn nieder.

„Ist sie - sie ist nicht - sie ist noch ... am Leben, richtig?"

Dawn schaute zu Jeff. Der Ärger und die Arroganz waren verschwunden und sie konnte die Besorgnis in seiner Stimme hören.

„Sie lebt," sagte Dawn ruhig. Sie hatte einen Finger an Willows Halsschlagader gelegt. „Aber sie ist bewusstlos."

Jeff fasste Willow an den Schultern und wollte sie hochheben.

„Nein! Wir wissen nicht, wie schwer sie verletzt ist," sagte Dawn und hielt ihn zurück. Der Junge starrte Dawn mit großen Augen an, erstaunt über ihre Sicherheit und Bestimmtheit. „Hol Giles," ordnete Dawn an. „Sag ihm, Willow liegt bewusstlos auf der Treppe. Und lass die Taschenlampe hier."

Dawn fühlte erneut nach Willows Puls während Jeff die Stufen hinaufeilte.

Dawn hörte seine Fußtritte leiser werden. Sie schaute auf die rot-rote Mischung des Blutes in Willows Haaren. Dawn strich es vorsichtig aus Willows Gesicht.

„Bitte sei gesund ..."

 

Continued